Meißen, Domplatz:
    Dom zu Meißen::
    An der Westseite ließ Markgraf Friedrich IV. der Streitbare (* 11. April 1370, † 4. Januar 1428) 1425 die Fürstenkapelle errichten. Ob Karl May ihn jemals besucht hat, ist uns nicht bekannt, aber diesen Stein hat er mit Sicherheit nie gesehen.
    Natürlich hat das nichts mit Karl May zu tun, aber in der Kategorie „Sie fragen, wir liefern” eine interessante Tatsache: Die zweite Frau von Wilhelm von Oranien (* 24. April 1533, † 10. Juli 1584) war Anna von Sachsen (* 23. Dezember 1544, † 18. Dezember 1577). Offenbar gefiel sie unserem vielgelobten, aber nicht so frauenfreundlichen „Vater des Vaterlandes” nach der Geburt von sechs Kindern, darunter dem späteren Statthalter Maurits (* 14. November 1567, † 23. April 1625), nicht mehr so sehr, da sie postwendend nach Meißen zurückgeschickt wurde. Es war damals sozusagen kein Vergnügen, eine geschiedene Tochter „zurückzubekommen”, und so wurde das arme Kind – sie war erst 27 Jahre alt – für verrückt erklärt und in einem fensterlosen Raum auf der Albrechtsburg eingesperrt, bis sie schließlich im Alter von 33 Jahren starb. Dann wurde sie „irgendwo in eine Ecke der Fürstenkapelle” begraben, natürlich ohne Grabstein, man stelle sich mal eine verstoßene Tochter mit einem Grabstein vor!
    Im Vorfeld der Biographie von Anna von Sachsen erschienen in den 2010er Jahren mehrere Artikel über ihr tragisches Schicksal in niederländischen Zeitungen. Im Anschluss an diese Artikel haben niederländische Touristen das Personal und die Führer des Meißner Doms wegen dieses Grabes belästigt; ja, auch ein paar Mal euer Webmaster! Aber wirklich niemand in und um diesen Dom hatte jemals von einer Anna von Sachsen gehört!!!
    2018 wurde schließlich die Biografie »Anna van Saksen. Verstoten bruid van Willem van Oranje« (»Anna von Sachsen. Abgelehnte Braut von Wilhelm von Oranien« von Femke Deen (* 1975) veröffentlicht und siehe da: Irgendwann zwischen der Veröffentlichung dieser Biografie im September 2018 und dem Sommer 2019 bekam Anna endlich diesen „Grabstein” in der Fürstenkapelle, zweifellos um die nörgelnden Holländer loszuwerden. Nicht einmal ganz in einer Ecke und es ist also höchst unwahrscheinlich, dass dieser Stein tatsächlich an der Stelle liegt, an der das arme Kind tatsächlich begraben wurde!
    © Foto 2019


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